Das Vermächtnis. Eine Partitur des Abschieds.

Ich habe für meine neuen Arbeiten das Tafelbild gewählt, da es in seiner Schlichtheit zugleich auch eine Klarheit ausdrückt. Es braucht keine komplexe Raumgestaltung, keine Versatzstücke, die sich zu einer Installation reihen, keinen hochkomplexen, erklärenden Text und trotzdem kann es vielfältig und dicht, geheimnisvoll und voller Symbolkraft, politisch und zeitnah sein. Ich nehme für dieses scheinbar altmodische Medium Anleihen aus dem Barock, in dem der Mensch sehr intensiv sein Leben auf das Diesseits ausgerichtet hatte und damit in einer offensichtlichen Fülle, eines erwachenden Reichtums und des neu erfundenen Luxus der Verschwendung einen großen Raum einräumte, die unaufhaltsam bis in die heutige Zeit fortschreitet und mit ihr der Verlust, der Abschied, der Untergang, in einer Dimension, die wir schon nicht mehr beeinflussen können.

Ich versuche, in den Gesichtern meiner Protagonisten, in den Räumen und Szenarien eine Melancholie zu zeigen, in der sich bereits das Vermächtnis dieser Zeit spiegelt und erzähle die Geschichten, die dort ihren Ursprung haben, weiter und verändere sie. Ich wage mich noch einen Schritt in eine mögliche Zukunft, in der die Menschen verschwinden, alles dem Verfall ausgeliefert ist und in der sich die Welt wieder in die Dunkelheit zurückzieht. Um irgendwann, vielleicht, wieder zu kehren. Ohne uns.

 

Plakat und Prospekt für das Tangofestival Innsbruck 2019
“la locura” / Haus der Musik
Acryl auf Leinwand: 140 x 120 cm bzw. 160 x 100 cm

 

 

 

Minu Ghedina - Künstlerin aus Innsbruck, Österreich   |   Malerei · Skulptur · Objekt · Installation